Samstag, 30. April 2016

Für immer - Eine Kurzgeschichte

Er hatte es versprochen. Er hatte es ihr hoch und heilig versprochen und er hatte gelogen. Er hatte gesagt, er wolle es, in guten wie in schlechten Tagen, er wolle es, bis dass der Tod sie scheide. Und schließlich schied sie der Tod. Denn er brach das Versprechen. Er sagte, er wolle treu ihr sein für alle Tage. Er war es nicht. Und sie war voller Wut darüber.
Für immer, versprach er. Er log mit jedem seiner Worte. Und ihr Blut kochte. Ihr Blut kochte vor Wut. Pulsierend. Eine Wut, die zeitlich nicht begrenzbar war. Unstillbar. Für immer. Ein nicht löschbares Feuer. Und das Feuer wurde immer größer. So groß, bis jemand starb.
Natürlich wollte sie ihn töten. Für einen kurzen Moment. Und doch für immer. Er sollte büßen. Leiden. Es büßte jemand, es litt jemand. Aber jemand kam ihr zuvor.
Er hatte tatsächlich darüber nachgedacht, zu töten. Sie wusste es. Und er wollte, dass sie dafür Schmerzen hatte. Er zückte es. Das Messer. Und sie litt tatsächlich. Hatte tatsächlich Schmerzen. Er wollte töten. Und das tat er.
Beide starben.
Sie wollte ihn töten. Für seine Untreue. Für seine Geliebte. Für das gebrochene Versprechen. Für immer. Aber auch er wollte töten. Zwei Wutmassen standen gegeneinander und beide explodierten. Anders als gedacht. Und beide starben.
Sie hatte die Nachricht seines Freitods sehr schnell erhalten. Er hatte es gezückt. Das Messer. Und sie litt darunter. Einmal aus Wut, und dann aus Trauer. Aus Trauer über diesen Tod. Darüber, dass es so weit gekommen ist. Dass er nun für immer weg ist.
Und dann hatte sie Schmerzen.
Sie war nicht die Einzige, die von seinem Tod erfahren hatte. Da war etwas Anderes. Und dieses Etwas machte sie verantwortlich. Wollte sich bei ihr rächen. Sie bekam die erste Kugel. Dann hatte sie Schmerzen. Und sie wusste, dass es die Kugel seiner Geliebten war. Dass es die Geliebte war. Mit der zweiten Kugel war es vorbei.
Er hatte sie betrogen. Beide wollten töten. In beiden kochte eine unbändige Wut. Beide explodierten. Für immer. Beide starben am Ende. Und eine Dritte richtete. Zuerst sie, die beiden, dann sich selbst. So waren es drei Tote.

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